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Sonderaustellung:
Klaus Theweleit und Gustav Kluge
ABANONYMES
Faces Faeces Fantoms
Löschungen
Salon Verlag, 2002
PRESSEMITTEILUNG
Am 19. April 2002 wird in der 20.21 Galerie das neue Buch von Klaus
Theweleit präsentiert. Das Gesicht und sein Stellenwert in unserer
Kultur bilden das zentrale Thema. Im Band enthalten sind Theweleits
Text "Faces, Faeces, Fantoms", der Bilderzyklus "Löschungen"
von Gustav Kluge und "Abanonymes", eine Sammlung von Amateurfotos
aus Kontakt- und Freizeit-Magazinen, die Thomas Eylert angelegt hat.
Diese Sammlung von Fotos, auf denen sich Kontaktsuchende in Anzeigen
unkenntlich machen, lieferte das Basismaterial für die Publikation.
Die dokumentierten
Anonymisierungs-
strategien bilden ein faszinierendes Kaleidoscop der verschiedenen Formen
von Identitätslöschung. Sortiert und gruppiert nach ihrer
Art kann man 11 verschiedene Techniken der Löschung oder Anlöschung
ausmachen: Übermalungen des Gesichts oder der Augen auf dem Foto
mit Weiss oder mit Schwarz, Auskratzen, Unkenntlichmachen durch die
Haltung auf dem Bild, Schatten auf dem Gesicht oder Flashlights im Spiegel
etc. Die Arten der Löschung bündeln sich zu Untergruppen,
Geheimbünden, Stämmen...
In seinem Bilderzyklus "Löschungen" spürt der Maler
Gustav Kluge mit dem Formen- und Erfindungsreichtum der Gesichts-Löschungen
im Zusammenhang mit
den Posen der Selbstdarstellung nach. Darüberhinaus hat er Erweiterungen
der Löschungstechniken gefunden, z.B. die Löschung durch perspektivische
Veränderungen. 44 Arbeiten sind so entstanden. Zu Tage tretende
Ordnungen, die als Stammes-Genealogien interpretiert werden können.
Die Identifizierung
von Menschen durch das Gesicht ist ethnologisch gesehen spezifisch für
die europäische bzw. westlich geprägte Welt. Der Kultur- wissenschaftler
und Schriftsteller Klaus Theweleit untersucht diesen Aspekt anhand verschiedenster
Ausformungen westlicher Kultur.
Theweleits populärste Bücher bislang sind "Männerphantasien",
"Buch der Könige" Bde. 1, 2, 3, "Ghosts" und
"Pocahontas in Wonderland. Shakespeare on Tour". Seine theoretischen
Verknüpfungen zwischen sexuellen und politischen Praktiken fordern
auch formal zum fraktalen, subversiven Denken auf. "Faces Faeces
Fantoms" knüpft vor allem an den Band "Ghosts" an,
in dem es um mediale Veränderungen und Verschiebungen im kollektiven
Gedächtnis geht.
Musik hat auf Klaus
Theweleits Schreibpraxis einen gewichtigen Einfluss. Musik-Exegese und
Gesellschaftskritik sind für ihn eng verknüpft, das Klacken
der Tastatur ist ihm ebenso Musik wie Klang gewordene Sprache. Theweleit
hat den Anspruch, musikalisch zu schreiben. Dass er nicht nur das "Wörterkeybord"
beherrscht, demonstriert Klaus Theweleit am 19. April 2002 in der 20.21
Galerie mit seiner Free-Jazz-Band BST (Berger/Schaeffer/Theweleit).
Dominique Jagusch
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