"Ebenso ist es mit unserer Vergangenheit. Vergebens versuchen wir
sie wieder heraufzubeschwören, unser Geist bemüht sich umsonst.
Sie verbirgt sich außerhalb seines Machtbereichs und unverkennbar
für ihn in irgendeinem stofflichen Gegenstand (oder der Empfindung,
die dieser Gegenstand in uns weckt); in welchem, ahnen wir nicht."
Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
PRESSEMITTEILUNG
Die 20.21 Galerie
Edition Kunsthandel lädt Sie am Freitag, dem 24.05.2002, um 19:00
Uhr zu der Ausstellungseröffnung Aura Rosenberg: Berliner Kindheit
ein. Die Künstlerin wird anwesend sein. Wir freuen uns, daß
Frank Kaspar aus Berlin eine Einführung in das Werk von Aura Rosenberg
gibt. Die Ausstellung geht vom 25. Mai bis zum 27. Juli 2002.
Die Amerikanerin Aura
Rosenberg wandelt bei dieser Fotoserie auf den Spuren Walter Benjamins.
Im Herbst 1932, kurz bevor er ins Exil ging, blickte Benjamin in einer
Reihe literarischer Skizzen auf das Berlin seiner Kindheit zurück.
Er habe sich bemüht, schreibt er in seinem Vorwort, "... der
Bilder habhaft zu werden, in denen die Erfahrung der Großstadt
in
einem Kinde der Bürgerklasse sich nieder-
schlägt."
Auch Aura Rosenberg,
obwohl in New York geboren, hat ihre Wurzeln in Berlin: ihre Eltern
mußten Deutschland 1939 verlassen und sind in die Vereinigten
Staaten ausgewandert. 1993 reiste Aura Rosenberg anläßlich
eines DAAD-Stipendiums ihres Mannes John Miller erstmals nach Berlin
und kommt seitdem jedes Jahr wieder, um dort zu leben und zu arbeiten.
100 Jahre nach Benjamins Kindertagen im Berlin der Jahrhundertwende
hat sie ihre Tochter Carmen mit dem Fotoapparat zu den Stationen ihrer
Kindheit in der Haupt-stadt begleitet.
Benjamins erzählerische
Perspektive lotet Aura Rosenberg mit der Kamera aus. Sie sucht die von
Benjamin gehasste Bade-
anstalt, den "Sitz der scheelen Göttin" und Ort der
"kalten Kammern" in der Krummen Straße auf, besucht
das Kaiser-
panorama und hält mit der Kamera zierliche, kreuzweis gebündelte
Schoko-
ladenpäckchen fest, wie sie im Kapitel Die Farben beschrieben
werden. Auch das Telefon ist zu sehen, wie es im hinteren Winkel
des Korridors lauert, von wo aus "...sein Läuten die Schrecken
der Berliner Wohnung vervielfachte".
Ebenso gehört
zur Ausstellung, die über 50 zumeist großformatige Farbfotografien
beinhaltet, eine aus Salzteig und "Winterzucker aus den Kindertagen"
braungebackene Siegessäule sowie ein Video der Künstlerin.
Rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung
erscheint im Steidl-Verlag das vom DAAD herausgegebene Buch Aura Rosenberg:
Berliner Kindheit.
Dominique Jagusch & Alice Franz
Kontakt
| Archiv|Editionen | Antiquariat
| Impressum
|